antwort auf 'kritiken', Bezüglich des Refugee Kongresses in München
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- Veröffentlicht am Samstag, 25. Mai 2013 00:26
Im Anschluss an den ersten Non-Citizen-Kongress vom 1. bis 3. März 20131 haben wir2 (der Aktionskreis unabhängiger Non-Citizen Kämpfe) sehr viel Feedback3 bekommen: sowohl von Teilnehmer_innen des Kongresses als auch von jenen, die von dem politischen Diskurs über 'Non-Citizen' / 'Citizen', welcher auf dem Kongress öffentlich gemacht wurde, gehört hatten. Wir glauben, dass der folgende Text ein Versuch ist, den Raum für Dialog zu öffnen. Dieser kann uns helfen, unsere politischen Diskurse und Aktionen auf der Basis des Dialogs zu klären. Wir hoffen ebenfalls, dass wir mit der Vertiefung unserer geschriebenen Diskussionen einen Prozess des Voneinander-Lernens einleiten und uns dies auch dem Erfolg unseres Kampfes näher bringen wird. Für uns ist das das Hauptziel der Diskussion.
Die generelle Kritik am Kongress kann wie folgt unterschieden werden:
1- Die Kritik des politischen Diskurses und 2- Die Kritik an der Art und Weise, in der der Kongress vonstatten ging.
1- Kritik des politischen Diskurses:
Zuerst müssen wir anmerken, dass uns bereits, bevor wir den Diskurs in den Kongress eingebracht haben, klar war, dass dieser eine Herausforderung darstellen könnte. Es war nicht schwer, das Unbehagen von Seiten der Beteiligten im sogenannten 'Asylsuchenden'-Kontext, zu denen Aktivist_innen aus der sogenannten Antira-, Antifa- und der linken Szene sowie einiger Menschenrechtsorganisationen, NGOs, Wohltätigkeits-Organisationen usw. gehören, vorherzusagen. Von Anfang an war diesen Aktivist_innen gemeinsam, dass sie mit “feststehenden Antworten” in den widerständigen Protest eintraten, während die Mehrheit von ihnen zugleich nie den Alltag von Non-Citizen-Subjekten erlebt hatten.
Erstens: Gegen was genau kämpfen wir?
Als die Subjekte der Kämpfe von Non-Citizens (Asylsuchende, illegalisierte und papierlose Menschen) sehen wir uns in der Position, unseren eigenen Kampf an dem Wissen unserer gelebten Erfahrungen und unserem Bewusstsein der Herrschaftsstrukturen auszurichten. Dieser Kampf ist notwendigerweise mit unserem täglichen Leben verbunden.
Um dies auszuführen, müssen wir analysieren, wer ein_e Asylsuchende_r ist, was die Position dieser Person ist und welche Art von Strukturen das Leben von Asylsuchenden bestimmen. Um uns nicht zu wiederholen, verweisen wir in dieser Frage auf den Essay 'Zur Position “Asylsuchender” und ihre Kämpfe in modernen Gesellschaften4' (wir empfehlen stark, dieses Essay zu lesen, bevor diese Notiz weitergelesen wird, da deren Inhalt eng mit diesem verbunden ist).
Zweitens: “Alle zusammen” ist ein ideologieloser Slogan
Der auf dem Kongress eingeführte politische Diskurs war der Versuch von unserer Seite, die Non-Citizen-Kämpfe in eine Richtung zu bewegen, in der sie mehr als NUR ein antirassistischer Kampf sind. Wir haben versucht, den strukturellen und institutionellen Rassismus aufzuzeigen, den Non-Citizens, ebenso wie andere Subjekte der antirassistischen Bewegung, bekämpfen sollten. Dennoch sind Non-Citizens auch Subjekte weiterer Formen von Unterdrückungsstrukturen – nicht nur des des Rassismus, so zum Beispiel des Klassismus (neben weiteren Strukturen der Unterdrückung). Auf einer Analyse dieser weiteren Strukturen wurde zuvor unter den Aktivist_innen der sogenannten antirassistischen Szene noch nicht einmal Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch basierten die meisten Kritiken an dem Diskurs auf genau diesem Argument: nämlich indem behauptet wurde, dass dieser zu einer weiteren Spaltung “unserer eigenen Kräfte” führen würde. Schließlich führen diese Argumente zu folgendem: In der sogenannten antirassistischen Szene kämpfen alle Aktivist_innen, ohne Reflexion ihrer gesellschaftlichen Positionen und ihrer Hautfarbe, an einer Front. Jegliche theoretische Definition, die diese einheitliche Front (des großen “Wir” derer, die glauben, den Rassismus zu bekämpfen) unterbricht, kann so beiseite geschoben oder zerstört werden.
Obwohl linke Begriffe in diesen Kritiken verwendet werden, sehen wir grundlegende Unterschiede zwischen unseren eigenen politischen Ideen und den argumentatorischen Wegen der oben genannten Kritiken. Wir glauben, dass es ein Widerspruch ist, folgendes zu behaupten: dass in einer kapitalistischen Gesellschaft die jeweilige Position der Menschen, basierend auf ihrer Stellung als Arbeitskraft in der ökonomischen Struktur, KEIN Thema sei und dass alle, die sich antifaschistische oder jegliche 'anti'-Slogans zu eigen machen, tatsächlich mit gleichen Positionen Politik betreiben könnten.
Unsere Ansicht ist, dass jene, die an diese Art von “Gleichheit” glauben, kein klares Konzept von Klassenproblematiken und in der Konsequenz auch keine Ahnung von den Widersprüchen innerhalb des Klassenkampfes haben. Wie ist es sonst möglich, dass wir unsere Augen vor weißer Vorherrschaft und Eurozentrismus verschließen, welche als Nährboden für neo-kolonialistische Diskurse fungieren. Noch einmal: wie ist es möglich, dass einige Menschen, im Kontext einer antirassistischen Bewegung, skandieren: Weiß oder Nicht-weiß, wir sind alle gleich?
Ohne Zweifel liegt eine der Errungenschaften unseres Diskurses darin, ungleiche Positionen voneinander zu differenzieren, zu verstehen sowie innere Strukturen, basierend auf den Ungleichheiten, zu analysieren.
Betreffend des Impulses der Kritiken, die Einheit des großen “Wir” (unserer eigenen Kräfte) zu bewahren: was genau meint ihr mit diesem “Wir”? Konfrontiert mit Non-Citizens, geflohen aus ihren Herkunftsländern aufgrund von Raketen und Bomben, die in diesem Land hergestellt wurden (und immer noch hergestellt werden) und während die Profite exakt dieser Bomben gleichzeitig für Erste-Welt-Bürger_innen ein ganzes Wohlfahrtssystem finanziert haben: welche Art von “Wir” meint ihr genau? Ist es nicht so, dass nur durch hunderte von Jahren der Unterdrückung, von denen die Geschichte des Kolonialismus und der Ausbeutung zeugen als auch mithilfe imperialistischer Kriege im Namen von “humanitären Interventionen”, Bürger_innen in den Erste-Welt-Ländern einen derart hohen Lebensstandard genießen? Durch die 'Freundlichkeit' der Globalisierung und der neoliberalen Politiken der WTO und des IWF werden die Kühlschränke dieser Bürger_innen mit billigen Produkten gefüllt, die keine Grenzen kennen, während immer noch Menschen in eben den Regionen an Hunger sterben, in denen diese Produkte hergestellt wurden. Ist es nicht so, dass die Einkommenssteuer von Bürger_innen die Mächte bezahlt, die heute die gesamte Welt regieren?
Nein, wir, Non-Citizens, die aus den sogenannten “unterentwickelten Staaten” geflohen sind, bilden kein gleiches, großes “Wir” mit den Erste-Welt-Bürger_innen, denen die Privilegien von Gesundheitsversorgung, Arbeitslosengeld, guter Bildung und tausenden anderen Vorteilen zur Verfügung stehen.
Es scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Wenn wir den Kongress für Citizens geöffnet haben, so nur deshalb, weil wir zum einen glauben, dass aktive Menschen in diesem Kontext Citizens sind, die versuchen, klare Grenzen gegen die bestehenden Mächte zu ziehen. Zum anderen, weil wir glauben, dass sie, obwohl sie klassenprivilegiert sind, sich der Struktur der Diskriminierung bewusst und willens sind, einige der Privilegien zu teilen, die ihnen exakt aus diesen Diskriminierungsstrukturen erwachsen sind. Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass eine kollektive Identität zwischen uns und ihnen existiert. Dieser Moralismus in der politischen Aktion, der daran glaubt, politische Differenzen könnten durch das Träumen und Rufen von “unity!” beseitigt werden, vergisst, dass die fundamentalen Differenzen nur überwunden werden können, wenn theoretische Diskussionen geführt und politische Grenzen gezogen werden. Auch wenn diese Grenzen für Einige unangenehm sind.
Es besteht des Weiteren kein Zweifel, dass die Non-Citizen/Citizen-Dichotomie, wie jede andere Kategorie, ein Resultat von Herrschafts- und Unterdrückungsstrukturen ist und auf Diskriminierung und Ungleichheit basiert. Andere Teile der geäußerten Kritiken wiesen darauf hin, dass diese scheinbar neugeschaffene Dichotomie Kategorien eröffne, die den Kampf nur weiter verkomplizieren würden. Aber wie soll es möglich sein, aus Kategorien herauszutreten, die ebenso das Fundament unserer sozialen Realität, wie auch unserer politischen, ökonomischen und kulturellen Positionen und Beziehungen innerhalb der gesellschaftlichen Hierarchien sind? Wie können wir politisch aktiv sein, ohne diese Kategorien zu berücksichtigen? Sicherlich, wir versuchen alle, die bestehenden Kategorien abzuschaffen und müssen dafür die Fundamente abschaffen, auf denen diese Kategorien beruhen. Doch was wir von diesen Arten der Kritik mitbekommen, ist vielmehr eine Wegschau-Mentalität zu den bestehenden Kluften und Kategorien, anstelle des Kampfes gegen die, die sie hervorbringen. Das desaströse ist, dass der Vorschlag, über die bestehenden Kategorien hinauszugehen, zumeist von denen kommt, die sich selbst in den oberen Kategorien befinden. Dies ist jedoch eine arrogante Weise, das Problem auszuradieren, anstatt es zu lösen.
Die Erkenntnis der sozialen Position von Non-Citizens ist das Resultat eines bereits ein Jahr andauernden Versuches, die Struktur und Funktion der Unterdrückung zu verstehen, welche wir tagtäglich erleben. Endlich sind wir über die generellen Begriffe wie Migrant_innen/Asylsuchende/'Flüchtlinge' hinausgekommen, die in der Praxis nur unklare Bezeichnungen waren und die Macht hatten, ihr Subjekt im Unklaren zu belassen. Mit unserer eigenen Definition davon, “worum es sich in dem Kampf handelt” und “wer das Subjekt dieses Kampfes ist”, wurde es möglich, eine weitaus konkretere Definition unserer Situation zur Verfügung zu stellen. Es ist interessant, dass unsere theoretischen Forschungen, die in einem praktischen Prozess zustande kamen, als eine Tatsachenverdrehung interpretiert wurden.
Es handelt sich dabei nicht um eine 'Unabhängigkeitsmaske' (wie in den Kritiken behauptet wurde), sondern es steht für den Willen, eine große Verantwortung im Prozess der Selbstermächtigung des Subjektes zu akzeptieren. Ohne Zugang zu den benötigten Ressourcen und unter konstantem Entzug von Unterstützung, weil wir unseren Fokus auf die Selbstermächtigung des Subjekts setzen, stehen wir vor einer schwierigen Situation und einer großen Verantwortung; denn mensch kann scheitern, gerade weil der Zugang zu diesen Ressourcen abgeschnitten ist und mensch sich in der Konsequenz allein wiederfindet. Indem wir uns unsere Subjektposition wiederaneignen und den Glauben an uns und unsere Fähigkeiten stärken, werden wir die Tradition unseres Kampfes fortführen. Dieser ist darauf ausgerichtet, die Straße zurückzugewinnen. Die Straße als exakt der Ort, an dem unsere unterdrückten Körper sich verbinden und wir als Menschen erscheinen werden. Dieser Ort (die Straße), dessen Namen viele Aktivist_innen den Büchern überlassen haben, ist der Ort, zu dem wir seit einem Jahr versuchen, loyal zu bleiben; wir bleiben loyal zu seiner Bedeutung, da wir glauben, dass wir nur auf der Straße die Politik wieder zu ihren rechtmäßigen Eigentümer_innen zurückführen können.
2 – Die Art der Durchführung des Kongresses:
Die Kritiken an der Art der Durchführung des Kongresses konzentrierten sich meistens auf:
- Das Monopol der Organisatoren am Mikrofon
- Den Unwillen der Organisatoren, die Erfahrungen der Citizen-Aktivist_innen zu nutzen und von ihnen zu lernen
Zuerst müssen wir sagen, dass der Kongress auf der Basis eines organisatorischen Zeitplans stattfand, der einen Monat vorher veröffentlicht wurde. Mit dem Zeitplan wurde das Programm für alle drei Kongresstage sowie der Inhalt einiger von den Organisatoren geplanten Programmpunkte veröffentlicht. Der Kongress fand an drei Tagen statt – Freitag, Samstag und Sonntag. Insgesamt dauerte der Kongress 20 Stunden; sechs davon waren im Voraus geplant. Vier von diesen sechs Stunden wurden für mündliche Berichte von dem einjährigen Widerstand gebraucht (mit Dolmetschen von Farsi auf Englisch und danach Simultandolmetschen auf Urdu, Französisch, Arabisch und weiteren Sprachen). Die verbleibenden zwei Stunden wurden für die Vorstellung des politischen Begriffs der 'Non-Citizen' und des Widerstands der Organisatoren genutzt. Dies bildete die allererste öffentliche Diskussion des Konzepts.
Während der ersten Stunden des zweiten Tages gab es Fragen und Antworten zum mündlichen Bericht und zu unklaren Details des einjährigen Widerstandes. Es ging weiter mit einer offenen Mikrofonrunde. Während des Programmpunktes zum 'gemeinsamen Widerstand' (zweiter Tag), gab es wieder ein offenes Mikrofon für alle Non-Citizens, die Erfahrungen teilen wollten. Aufgrund der großen Anzahl von Reden (von Non-Citizens) wurde sogar der letzte Programmpunkt des zweiten Tages gestrichen.
Zu Beginn sowie während des Kongresses erklärten wir, dass dieser Kongress durch die Initiative einer Gruppe, die im letzten Jahr verschiedene Stufen des Widerstands durchlaufen hatte, organisiert wurde. Wir haben nie gesagt – und werden es auch nie tun – dass wir die einzigen aktiven Non-Citizens oder die einzige Stimme der Non-Citizens sind. Dennoch gab es die Kritik, dass während des Kongresses keine anderen Non-Citizens an das Mikrofon getreten waren, um über die verschiedenen Schritte des letztjährigen Widerstands zu reden. Diese Kritik kam sowohl von Non-Citizens als auch von Citizens.
Zu dieser Kritik erwidern wir, dass unser Ziel des Programmpunktes des mündlichen Berichts folgendes war: zum einen zu erzählen, wie sich die Ideen während des letzten Jahres in verschiedenen Situationen und auf verschiedenen Ebenen entwickelt hatten und zum anderen, den Weg der Selbstorganisation und Entscheidungsfindung, welcher entsprechend stattfand, zu verdeutlichen. Allerdings hatte nicht ein_e der_die Non-Citizens, welche den mündlichen Bericht kritisierten, auch nur an einem Organisationstreffen zur „Refugee Tent Action“ oder zum „Refugee Protest March to Berlin“ teilgenommen. Zweifelsohne hatten jene Freund_innen dazu beigetragen, diese Schritte zu realisieren und eine maßgebliche Rolle dabei gespielt. Das Ziel des mündlichen Berichts war es jedoch, die Strukturen der Entscheidungsfindung nachzuerzählen und die unabhängigen Denk- und Handlungsweisen des 'Streikorganisationskomitees' nachzuerzählen. Indes hatten wir viele der in diesen zwei Projekten (Tent Action und Protest March) aktiven Non-Citizens dazu eingeladen, die Kongressorganisation gemeinsam durchzuführen. Leider hat jedoch niemensch von ihnen an der Organisation und Planung des Kongresses teilgenommen.
Vielleicht kann unsere allgemeine Meinung zu diesem Thema mehr Transparenz auf unsere Arbeitsweise werfen. Natürlich sind wir gegen jeglichen Widerstand, der eine Identitätspolitik verfolgt. Wir glauben, dass es einige Menschen gibt, die in verschiedenen Kontexten aktiv Unterdrückungskreisläufe reproduzieren. Natürlich gibt es Non-Citizens, die Nationalismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Patriarchat, usw. reproduzieren. Indem wir für unsere eigenen politischen Prinzipien einstehen, haben wir für uns Grenzen zu Ideen und Verhaltensweisen, die Diskriminierung reproduzieren, gezogen.
Diese Grenzen werden in der Praxis aufgezeigt; ein Beispiel wäre die Planung des Kongresses. Hierzu warfen uns einige Kritiken vor, hierarchische Strukturen zu haben. Wir finden es wichtig, kurz zu erklären, dass 'Organisation von unten' in der Theorie, als Alternative angesichts hierarchischer Strukturen, nur möglich ist, wenn sie auf politischem Vertrauen und Einverständnis zu bestimmten politischen Grundsätzen basiert.
Unglücklicherweise können wir in manchen Fällen kein politisches Vertrauen und kein Einverständnis mit manchen Ideen und Aktivitäten herstellen, die vor allem einen rechtsgerichteten Diskurs reproduzieren und sogar im Widerspruch zu dem Widerstand stehen. Um das besser zu verstehen, bitten wir euch, euch ein Interview mit einem Non-Citizen, der sich selbst als „Iraner“ identifiziert und an den Streiks teilnahm, anzusehen. Er spricht über seinen Stolz auf die „heilige Flagge des Mutterlandes“, sowie davon, wie einige linksradikale Non-Citizens (das sind wir) ihn mit seinen nationalistischen Diskursen konfrontiert und ihm nicht erlaubt haben, seine nationalistischen Ideen in die Bewegung zu tragen. Er fühlt sich durch linke Diskurse der Bewegung manipuliert und empfiehlt anderen Non-Citizens sich dessen bewusst zu sein. Er gibt den Medien ein Interview, welche den Sohn des iranischen Shah als Alternative der iranischen Opposition unterstützen - mit dem Ziel in Zukunft das „Persische Reich“ zurückzugewinnen5.
Wie wir allerdings schon erwähnten, waren die Ideologie der Organisatoren des Kongresses als auch unser einjähriger Widerstand und der entsprechende politische Diskurs transparent und sichtbar. Auf Basis all dessen hören wir, was alle Non-Citizen jeglicher politischer Ausrichtung zu sagen haben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir zwangsläufig unseren politischen Diskurs mit den reaktionären Diskursen einiger Non-Citizen verbinden.
Wir glauben, dass das Wachstum, die Reproduktion von Unterdrückung und der Mangel an Klassenbewusstsein einerseits den Sieg des rechten Flügels (mit seiner Macht im Bildungssystem und in den Massenmedien) in dem Kampf um Hegemonie zeigt. Andererseits sehen wir jedoch das mangelnde Bewusstsein als Resultat von geringem kulturellen Kapital, zu welchem die Citizens der Länder der sogenannten Ersten Welt den meisten Zugang haben und von dem sie am meisten profitieren.
Ohne Zweifel gibt es Kritiken, gegen die wir politisch nichts einwenden können. Dazu gehört die Abwesenheit von Frauen* im Widerstand. Definitiv keine Antwort, aber eine Analyse zu dieser Kritik wäre: Aufgewachsen und sozialisiert in einer patriarchalen Welt, durch männliche* Körper in der Position des Unterdrückenden mit Zugang zu den Privilegien und Vorteilen dieser patriarchalen Diskriminierungsstruktur, mit tausenden aus dieser Diskriminierungsstruktur folgenden Konsequenzen, haben wir gelernt, dass der Bereich des Widerstands durch Menschen in männlichen* Körpern dominiert wird. So auch, dass Bereiche für die Präsenz frauisierter* Körper in unserer Struktur und in der Gesamtgesellschaft schwer oder unmöglich zu finden sind.
Nachdem wir kollektiv versucht haben, uns Wissen und Bewusstsein zu dem Thema Patriarchat anzueignen, nach Lektüre und Recherche, glauben wir, dass die bloße Anwesenheit eines oder zweier frauisierter* Körper (Non-Citizens) als Rechtfertigung genutzt werden könnte, antipatriarchal zu sein. Die bloße Anwesenheit von Frauen* bedeutet jedoch nicht zwingend, dass antipatriarchale Diskurse und Aktivitäten stattfinden - nach letzteren wollen wir jedoch streben.
Stattdessen glauben wir, dass es Orte geben muss, an denen Frauen* sich unabhängig organisieren und sebstermächtigen können, bis sie ihre Stimme und Subjektivität zurückgewinnen. Um das zu ermöglichen, muss die maskulinistische Atmosphäre durchbrochen werden und männliche* Körper müssen ihre dominanten Positionen verlieren. Durch eine unabhängige Selbstorganisation und Selbstermächtigung von Frauen* und Trans* Menschen, basierend auf der Unabhängigkeit des Subjekts, können Frauen* und Trans* Menschen sicherere Räume schaffen – sicherere Räume zum einen für den Kampf um ihr Recht, Citizens zu werden und zum anderen für die Organisation ihres eigenen Widerstandes als Subjekte gegen das geschlechtsbinäre heteronormative Patriarchat auch jenseits der Non-Citizen/Citizen-Dichotomie.
Auf die Kritik, wir hätten Citizens nicht genügend Ausdrucksraum und Zugang zum Mikrofon gegeben, müssen wir als Antwort unsere Position klarstellen:
Seit Jahren halten Citizens (weiß oder nicht-weiß) Reden für Non-Citizens, geben den Medien Interviews über Non-Citizens, machen Workshops mit ihnen, schreiben Essays über das Ausmaß ihres Schmerzes und ihres Leidens, analysieren die Strukturen, die Unterdrückung und Ungleichheit reproduzieren – in diesem Kontext und basierend auf ihren eigenen Analysen, definieren sie, die Citizens, bis heute den Widerstand der Non-Citizens.
Doch heute gibt es eine Gruppe von Non-Citizens, die glauben, dass Mikrofone und Kameras lang genug auf Citizens gerichtet waren, welche nicht die Subjekte dieses Widerstands sind. Sie sind sogar Teil der Reproduktion der Unterdrückung gegen Non-Citizenss und ihre Klassenprivilegien basieren auf dieser Unterdrückung. Jetzt ist es Zeit für das Subjekt – mit allen dazugehörigen Schwierigkeiten – sich den Widerstand zurückzuholen und ihre Subjektivität von den Citizen zurückzugewinnen. Von denen, die das Feld des Non-Citizen-Widerstands besetzt haben, wodurch die schwache Stimme der Non-Citizens nicht gehört wird. Diese Stimme muss jedoch die einzige Stimme des Widerstands der Non-Citizens sein. Vor dem mündlichen Bericht auf dem Kongress, haben wir erklärt, dass, was auch immer wir als Bericht präsentieren, nicht des Eigenlobes dient. Dieser sollte vielmehr anderen Non-Citizens zeigen, dass selbstorganisierter Widerstand möglich ist und dass sie ihre Situation ändern können.
Wir verstehen, dass es rassistische und erniedrigende Verhaltensweisen gegenüber Non-Citizens aus sogenannten „unterentwickelten Ländern“ gibt, welche es so aussehen lassen, als wären diese Menschen unfähig, selbst etwas zu schaffen. Wir haben den mündlichen Bericht gegeben, um zu beweisen, dass wir den „Protest March to Berlin“ verwirklicht haben - indem wir an unsere Fähigkeiten geglaubt und unsere Unfähigkeiten gekannt haben; natürlich hatten wir auch die Solidarität und Unterstützung einiger aktiver Citizens, obwohl einige andere Citizens (Individuen und Organisationen) es für unmöglich erachtet hatten.
Es ist Zeit, dass die Subjekte über ihren Schmerz, ihre Erfahrungen und Einzelheiten des Widerstands sprechen – und dass andere zuhören. Nämlich sowohl diejenigen, die sich die katastrophalen Zustände ansehen und deren Aktivitäten manchmal nicht darüber hinausgehen, Mitleid mit einem 'Opfer' zu haben und Almosen zu geben. Als auch die Anderen, die sitzend die Selbstmorde und Abschiebungen beobachten und jedesmal, nach ein paar Stunden Demo auf der Straße, wieder nach Hause kommen und ihren 'Genoss_innen' bis zum Morgengrauen von ihren revolutionären Aktionen erzählen. Nein, unsere Augen und Ohren warten nicht darauf, von diesen Citizens zu lernen, denn wir glauben, dass viele die Welt interpretiert haben, aber worauf es ankommt, ist diese zu verändern.
Der Aktionskreis unabhängiger Non-Citizen Kämpfe
1http://refugeecongress.wordpress.com, letzter Zugriff am 23.05.2013.
2Wann immer in dem Essay von einem 'wir' (ohne Anführungsstriche) gesprochen wird, sind es die Autoren, der Aktionskreis unabhängiger Non-Citizen Kämpfe, welche sich kollektiv positionieren.
3„Autonomie“,„Widerstand“und „Solidarität“: http://thecaravan.org/node/3711, letzter Zugriff am 23.05.2013 sowie Kritik von JoG.
4 'ZUR POSITION „ASYLSUCHENDER“ UND IHRE KÄMPFE IN MODERNEN GESELLSCHAFTEN': http://www.refugeetentaction.net/index.php? option=com_content&view=article&id=213:zur-position-asylsuchender-und-ihre-kaempfe-in-modernen- gesellschaften&catid=2&Itemid=132&lang=de ; letzter Zugriff am 23.05.2013.
5Das Video des selbst-identifizierten „Iraners“ auf Farsi: http://www.youtube.com/watch?
feature=player_embedded&v=WZpWm7G1G5Y, letzter Zugriff am 23.05.2013.
Die Erste Pressemitteilung Der Protestierenden Non-Citizen
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- Veröffentlicht am Mittwoch, 08. Mai 2013 14:47
Mit der Unterstützung aktiver Citizens wurde am 25. April 2013 das erste Zelt der Non-Citizens in München aufgebaut, um Non-Citizen-(Asylsuchenden-)Lager in Bayern besuchen zu können. Das Zelt stand an zwei verschiedenen Plätzen; erst vor der Ludwig-Maximilian-Universität, danach in der Nähe des Odeonsplatzes. Wir blieben dort für insgesamt 10 Tage.
In der Zwischenzeit fand am 30.April in Regensburg die gerichtliche Anhörung im Asylverfahren eines der protestierenden Non-Citizens des Münchener Zeltes statt. Rund 70 Leute waren vor Gericht anwesend, um ihn zu unterstützen. Dieses Mal, basierend auf seinem Engagement im Widerstand der Non-Citizens während des vergangenen Jahres, wurde der Asylantrag des protestierenden Non-Citizens anerkannt. Dies stellt einen Sieg dar, welcher nach dem Verständnis der protestierenden Non-Citizens ein Recht für jede_n Non-Citizen ist.
Am selben Tag fand in Regensburg eine Demonstration mit 300 Teilnehmer_innen statt. Auf dieser Demonstration gaben Non-Citizens ihre Meinung über diese Art von Gerichtsverhandlungen und -prozessen kund. Zudem drückten sie ihren Willen aus, den Widerstand weiterzuführen, bis allen Non-Citizens das Recht anerkannt wird, Citizens zu werden und sie damit die Möglichkeit haben, ein Leben wie alle Anderen zu führen. Einigkeit unter Non-Citizens, so wurde es erklärt, sei die dafür am stärksten benötigte Kraft.
Am 1. Mai fand ein Treffen mit aktiven Citizens statt. Dabei wurde über Theorien, Strukturen und zukünftige Pläne des Widerstandes diskutiert. Abschließend wurden Arbeitsgruppen gebildet, die die nächsten Schritte realisieren sollen.
Da das primäre Ziel die Kommunikation und der Austausch mit anderen Non-Citizens ist, begannen protestierende Non-Citizens während einer zehntägigen Tour, alle Non-Citizen-(Asylsuchenden-)Lager zu besuchen. Dies geschah, um Informationen über die derzeitigen Kämpfe von Non-Citizens auf der Straße an andere Non-Citizens weiterzugeben. Nachdem alle Non-Citizen-(Asylsuchenden-)Lager in Oberbayern besucht waren, fand am 4. Mai vor dem Münchener Protestzelt ein Treffen mit Non-Citizens der Region statt. Dieses Treffen behandelte die Frage 'Warum protestieren wir?' sowie die Fragestellung, wie Non-Citizens mit der Basis des Widerstands verbunden werden können. Das Treffen fand außerhalb der Isolation der Lager statt. Dadurch wurde der Raum für die Subjekte des Non-Citizen Kampfes geöffnet, um untereinander die Selbstorganisation besprechen zu können.
Nachdem die Region Oberbayern abgedeckt war, zog das Zelt protestierender Non-Citizen am 6.Mai nach Augsburg weiter, um Non-Citizen-(Asylsuchenden-)Lager in Schwaben zu besuchen.
Während die nötigen Genehmigungen für ein Zelt in der Stadt von Augsburg angesucht wurde, wandte die Augsburger Verwaltung alle möglichen Restriktionen an, um den Willen der protestierenden Non-Citizens zu brechen und die Weiterführung ihres Kampfes zu verhindern. Mittlerweile wurden nicht wie beantragt zwei, sondern nur ein einziges Zelt für zehn protestierende Non-Citizens und nur drei Betten, ohne die offizielle Erlaubnis zur Übernachtung, genehmigt.
Das Protestzelt der Non-Citizens führt seinen Kampf am Augsburger Rathausplatz stärker als je zuvor weiter!
Protestierende Non-Citizen des Zeltes in Augsburg
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Internet: www.refugeetentaction.net
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Telefon: Omid Moradian: 0152 33706273
Non-Citizen Protestzelt jetzt in Augsburg!
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- Veröffentlicht am Dienstag, 07. Mai 2013 17:51
Gestern, am 6. Mai 2013, ist das Protestzelt der Non-Citizens von München nach Augsburg gezogen!
Für eine bestimmte Zeitspanne werden wir uns am Rathausplatz in Augsburg befinden, um in engeren Kontakt mit allen Non-Citizens innerhalb und um diese Stadt herum zu treten, sowie mit allen Citizens, die sich solidarisch mit unserem Kampf zeigen.
Unsere erste Erklärung zu den neuen Non-Citizen-Protestzelten findet ihr hier.
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Und unser SPENDENAUFRUF
Spendenaufruf
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- Veröffentlicht am Freitag, 03. Mai 2013 15:44
Die Weiterführung der Kämpfe der Non-Citizens braucht eure Unterstützung.
Nach einem Jahr selborganisierten Kampfes von Non-Citizens in verschiedenen Städten Deutschlands, werden wir keinen Schritt von unserer Position zurückweichen und zählen auf unseren kollektiven Willen, bis unsere menschlichen Forderungen nach so grundsätzliche Rechten erreicht sind.
Um dies zu realisieren haben wir am 25. April 2013 unseren Protest auf den Straßen von München in Form einer Dauerkundgebung begonnen. Um Non-Citizen-Widerstandszellen aufzubauen werden wir in der ersten Phase alle Asylsuchendenlager in Bayern besuchen. Um diese Selbstorganisierung und Selbstermächtigung möglich zu machen, was einfach bedeutet, dass Non-Citizens als Subjekte dieses Kampfes selbstermächtigt werden, kann eure finanzielle Unterstützung diesen schweren Weg etwas erleichtern.
Protestierende Non-Citizens
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Leider können wir euch keine Spendenquittungen ausstellen
Erste Erklärung der Non-Citizens des Münchner Protestzeltes
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- Veröffentlicht am Freitag, 26. April 2013 11:15
Wir sind die Menschen, die aufgrund unserer zufälligen Geburt in gewissen geographischen Regionen, unter Kriegen, Sanktionen, Kolonisierung, Besetzungen, Repression und Armut gelitten haben. Wir haben es geschafft, diese Regionen zu verlassen, und sind hier angekommen. Hier, an diesen Orten, die von den Leuten als „sichere Länder“ bezeichnet werden. „Sichere Länder“, die diese Kriege, Kolonisierung, Armut and all den anderen Terror, den wir in den Orten unserer Geburt erlebten, verursacht haben. „Sichere Länder“, die uns in dem Moment, in dem unsere Füße ihren geheiligten Boden berühren, den Namen „Asylsuchende“ geben. Asylsuchende, oder auch diese Menschen, denen nicht erlaubt wird, zu arbeiten oder zu studieren; diese Menschen, die gezwungen werden in isolierten Lagern zu leben, während sie darauf warten, dass die Polizei mit den Abschiebebescheiden zu ihren Zimmern kommt (allein in den letzten zwei Tagen – 23. und 24. April -, wurden ca. 100 Asylsuchende in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nach Belgrad abgeschoben). Die Menschen, die in der Gesellschaft atmen, jedoch nicht leben, sind wie Geister; es wird unmöglich, sie überhaupt zu sehen. Die Bezeichnung als „Asylsuchende“ wurde uns von den Regierungen gegeben, die diese diskriminierenden Gesetze eingeführt haben. Eine Bezeichnung, die andere dazu bringt, uns als bedürftige Menschen zu betrachten, die nicht einmal die einfachsten Aufgaben erledigen könnten.
Wir sind Non-Citizens
Heute haben wir unseren Protest auf die Straße getragen, um aufzuschreien: dass wir, als ersten Schritt, unseren Namen selbst wählen wollen.
Wir glauben daran, dass wir Non-Citizens sind, Non-Citizens, die an dem Zugang zu den Rechten gehindert werden, die die Citizens, die "Bürger_innen", in dieser Gesellschaft haben. Von all den grundlegenden Rechten von Menschen bleibt uns Non-Citizens nur ein Platz zum Schlafen, Essenspakete zum Essen, Albträume von Abschiebungen und ein Leben in Angst und Terror.
Heute haben wir unseren Protest auf die Straßen von München getragen, um ein Widerstandszelt von Non-Citizens aufzubauen und zu erklären, dass wir diese Diskriminierung nicht akzeptieren. Um unsere Situation zu verändern, brauchen wir nur den Willen zum Kampf aller Non-Citizens, die sich dieser Diskriminierung bewusst sind. Ein Kampf, der daran glaubt, dass Non-Citizens zu Citizens werden, unabhängig von Geschlecht, Sprache, Nationalität oder Kultur. Es ist das Recht eine_r/s jeden Non-Citizens, dies zu verwirklichen. Non-Citizens müssen sich organisieren – und die Form dieser Organisation muss von uns ausgehen und für uns sein.
An alle Non-Citizens, die uns hören können: Es ist unser Recht, zu Citizens zu werden, auch wenn die deutsche Regierung und die Bürger_innen denken, wir seien es nicht Wert. Wir sagen: Wir sind es!
Lasst uns zusammenkommen und dafür kämpfen, unsere Rechte zu erhalten und zu Citizens zu werden!
Die Protestierenden Non-Citizens in München
Internet: www.refugeetentaction.net
Facebook: https://www.facebook.com/Refugeemarch?ref=hl
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De la position des « demandeur_euses d’asile » et de leurs luttes dans les sociétés modernes
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- Veröffentlicht am Samstag, 20. April 2013 11:57
Introduction
Au cours des onze derniers mois, nous avons assisté à une forte vague de protestations
menées par des réfugié_es et des demandeur_euses d’asile à travers toute l’Allemagne. Ces
protestations sont toujours en cours à l’heure actuelle et ont obtenu de grandes avancées.
Le mouvement a utilisé une nouvelle méthode d’organisation, à savoir l’organisation
par le bas. Cette approche, qui n’a quasiment jamais été employée dans la sphère
sociopolitique allemande au cours des deux-trois dernières décennies, a permis de franchir
les murs se dressant entre les demandeur_euses d’asile et la société et d’influencer ainsi
considérablement l’opinion publique et les groupes militants. Cette nouvelle vague de
protestations des réfugié_es est confrontée à de nombreux défis. En dépit de ses réussites
majeures, elle a commis certaines erreurs et s’est éloignée à certains égards de son objectif
initial. En soumettant le chemin choisi à un examen critique, le mouvement peut réussir à
surmonter les limites qu’il rencontre aujourd’hui et à jouer un rôle plus décisif dans l’arène
politique en Allemagne. Grâce à sa croissance qualitative et quantitative, le mouvement
pourra éventuellement – espérons-le – dépasser les frontières de l’Allemagne et inspirer des
mouvements de protestations similaires dans d’autres pays, comme c’est déjà le cas aux Pays-
Bas et en Autriche.
Je n’aborderai pas ici la question des avancées obtenues par le mouvement ni de leur
évaluation, à laquelle je consacrerai un autre texte. Je présenterai ici mon analyse de la
position des « demandeur_euses » d’asile dans la société. Cette nouvelle analyse est le résultat
des observations, des expériences, des conversations et des interactions que j’ai menées au
cours des derniers mois ainsi que des défis auxquels j’ai été confronté.
Commençons par deux questions simples : qui est considéré_e comme « demandeur_euse
d’asile » et quelle est la position attribuée aux personnes portant cette étiquette ? Il est facile
de répondre à la première question : le phénomène des « demandeur_euses d’asile » est un
produit des forces capitalistes dominantes contemporaines qui créent les conditions sociales,
économiques et politiques insoutenables qui règnent dans les pays d’origine des immigré_es
et les forcent à quitter leur pays. Il est bien plus difficile de répondre à la deuxième question
concernant la position imposée aux demandeur_euses d’asile dans leur pays de destination.
Tout d’abord, nous constatons que le terme de « demandeur_euse d’asile » a une connotation
péjorative dans les langues européennes (et sans doute dans d’autres langues, notamment
en farsi). Les demandeur_euses d’asile sont ceux_celles qui « demandent » « l’asile ». Mais
avant tout, cette désignation constitue un stigmate, une marque qui détermine la position
de celui/celle qui la porte dans la hiérarchie interne d’une société donnée. C’est pourquoi il
est indispensable de comprendre la position attribuée aux demandeur_euses d’asile au sein
de la société afin de comprendre leurs revendications. Visiblement, l’approche habituelle
du système face aux personnes considérées comme « demandeur_euses d’asile » est de
les marginaliser et de présenter une version déformée de leur condition dans les médias
dominants. Cette approche entraîne un manque d’information et de sensibilité au sein de
l’opinion publique concernant la condition des demandeur_euses d’asile. Pire, la position des
demandeur_euses d’asile est elle-même méconnue et ne peut par nature être reconnue.
1. La position de demandeur_euse d’asile dans la société
La réponse est claire : étant donné que, dans la société capitaliste, la position d’une personne
est déterminée par la division sociale du travail au sein du système économique, on fait du/
de la demandeur_euse d’asile une personne qui n’est autorisée à prendre part à aucun cycle
de production ni de reproduction, qui ne détient AUCUNE position au sein de la société,
étant donné qu’elle n’occupe aucune fonction économique utile. Par conséquent, de ce point
de vue, le/la demandeur_euse d’asile vit en dehors de la société, dans ce que l’on appelle
les marges de la société (en conséquence, le/la demandeur_euse d’asile est considéré_e
comme un parasite du point de vue pragmatique et économique). Manifestement, vivre
en dehors de la société ne signifie pas nécessairement que les demandeur_euses d’asile
se trouvent physiquement en dehors de la société. Même les animaux vivent au sein de la
société humaine (et ils sont protégés par de nombreuses lois en Allemagne, qui sont en partie
plus avantageuses que celles qui concernent les demandeur_euses d’asile). Dire qu’un_e
demandeur_euse d’asile vit en dehors de la société signifie qu’il_elle n’a aucune influence
sur ses conditions de vie et son destin social (de la même manière que les animaux en
cage dans un zoo, qui ne peuvent déterminer leurs conditions de vie). La situation d’un_e
demandeur_euse d’asile diffère également de celle d’une personne au chômage, étant donné
que le_la chômeur_euse peut potentiellement trouver un emploi à plus ou moins long terme.
Le maintien des demandeur_euses d’asile en dehors de la société est garanti par deux
facettes du système capitaliste. Du fait de l’interaction entre, d’une part, les règlementations
gouvernementales et les forces de police et, d’autre part, les mécanismes nationalistes et
racistes (souvent mis en œuvre par les classes socioéconomiques défavorisées du pays de
destination), les demandeur_euses d’asile sont coupé_es de tous les aspects de la vie sociale,
politique, culturelle et économique. De fait, cette condition est la conséquence inévitable des
fonctionnalités structurelles du capitalisme et le symbole de son caractère meurtrier. Elle
peut être considérée comme le résidu des rouages infatigables de la machinerie capitaliste.
Toutefois, du point de vue des gardiens de l’ordre en vigueur, il est impératif de supprimer le
désordre inévitable que représentent les demandeur_euses d’asile en causant « le moins de
dégâts possibles au système », de le cacher et de l’enterrer dans les banlieues et aux marges
des villes, tout en s’assurant la possibilité de les conserver comme matériau recyclé destiné
à la reproduction du système. En regardant de près le visage d’un_e demandeur_euse d’asile,
on y voit les traces de l’impérialisme. Afin de cacher ces traces, ce visage doit être refait.
Mais en attendant la tête portant ce visage est maintenue sous l’eau ! Différentes étapes de
ce processus se déroulent dans les camps de réfugié_es : isolement, plongée des têtes sous
l’eau et remodelage des visages. Chaque année, le taux élevé de suicide parmi les réfugié_es
constitue une preuve évidente et amère de cet état de fait.
Bien évidemment, il y a toujours la soupape de sécurité, l’expulsion, qui garantit que le
nombre de réfugié_es entrants et sortants soit proportionnel et que les « cas » considérés
comme non sains ou inutilisables soient renvoyé_es dans leurs pays d’origine. Cependant,
le capitalisme triomphant a transformé les pays de la périphérie – ceux qui sont situés de
l’autre côté des frontières des « pays sûrs » – en des enfers si horribles et insupportables que,
chaque année, nombre de personnes choisissent de fuir et de se rapprocher des frontières
des « pays sûrs » ; réussir à traverser ces frontières équivaut à entrer dans les camps et
l’isolement. Nombre de celles_ceux qui fuient par désespoir meurent en tentant d’atteindre
l’Europe, l’Australie ou les États-Unis (tandis que des technologies telles que les systèmes
de repérage par satellite et des forces armées non officielles, telles que Frontex 1 en Europe,
sont employées afin de protéger les frontières et de refouler ceux/celles qui tentent de les
franchir).
Dans la pratique, on observe une tentative de « démonisation » des demandeur_euses d’asile.
Les réfugié_es sont les démons qui ont tout d’abord franchi les frontières terrestres, marines
et aériennes, puis les frontières entre les pays et sont de plus en plus invisibilisé_es, tellement
fantomatiques et indiscernables que le message politique qu’ils_elles véhiculent ne peut être
diffusé dans l’espace public. La vie dans les limbes des camps agit comme un marteau qui
écrase toutes les aspérités de la personnalité des demandeur_euses d’asile ( en particulier
le système de surveillance et de sanction). Par la suite, des « filtres » sont mis en place pour
détecter ceux_celles qui ont de la chance, c’est-à-dire ceux_celles qui peuvent au mieux servir
le système et s’y intégrer. Au final, ceux_celles qui passent au travers de ces filtres deviennent
une main-d’œuvre bon marché, dont dépend l’économie des métropoles (certains « pays en
voie de développement », comme ceux de la région du Golfe, ont eux aussi besoin de disposer
d’une main-d’œuvre bon marché et obéissante pour pouvoir poursuivre leur croissance
économique). Les masses de réfugié_es qui vivent dans l’expectative, sans savoir quel est leur
statut, pourraient également être considéré_es comme l’armée de réserve du capitalisme qui
entrera sur le marché en temps voulu, en fonction des demandes du marché et de l’intensité
des luttes des travailleur_euses (il est intéressant de noter ici que les différences nationales et
sociales sont instrumentalisées afin de diviser la main-d’œuvre). De fait, les demandeur_euses
d’asile qui connaissent la vie incertaine et menée dans l’expectative qui caractérise les limbes
des camps sont prêt_es à accepter n’importe quel emploi et constituent ainsi la main-d’œuvre
la moins chère. De fait, si nécessaire, il serait facile d’apporter de légers amendements
aux réglementations en vigueur afin de permettre que les demandeur_euses d’asile soient
recruté_es pour des emplois temporaires ou « illégalisé_es », tout en pouvant être renvoyé_es
à tout moment dans les camps voire même, à terme, dans leur pays d’origine.
Cependant, en dépit des nombreuses opportunités et des liens qui relient les
demandeur_euses d’asile en route vers leur vie future et la « classe ouvrière » et malgré leur
appartenance commune aux classes sociales les plus basses, le concept de demandeur_euse
d’asile doit être distingué de celui de « classe ouvrière ». De fait, les demandeur_euses d’asile
appartiennent aux couches cachées de la société (en termes de classifications traditionnelles)
et le terme de « sous-classe » est plus approprié pour décrire leur position. C’est pourquoi
le concept de demandeur_euses d’asile peut d’une certaine manière être rapproché de
celui de « marges de la société ». Dans les deux cas, il s’agit de personnes qui en raison de
la dichotomie « citoyen_ne/non-citoyen_ne » sont rejeté_es en dehors du territoire officiel
des sociétés basées sur le concept de « citoyenneté ». Tous leurs efforts visant à obtenir
une certaine reconnaissance sont confrontés au rejet et à la répression tant de la part de
la société que du gouvernement. Un exemple permet sans doute d’illustrer la différence
entre « demandeur_euses d’asile » et « classe ouvrière » : tandis que la section organisée
de la classe ouvrière lutte pour l’amélioration des conditions de travail et l’augmentation
des salaires – c’est-à-dire du tarif auquel ils_elles vendent leur force de travail –, les
demandeur_euses d’asile « non-citoyen_nes » doivent se battre pour obtenir ne serait-ce que
l’autorisation de travailler – c’est-à-dire pour pouvoir simplement vendre leur force de travail.
http://www.frontex.europa.eu, page consultée le 15/03/2013 ; http://fr.wikipedia.org/
wiki/Frontex, page consultée le 20/03/2013.
1
L’opposition « citoyen_ne »/ « non-citoyen_ne » est ancrée si profondément dans les sociétés
et les gouvernements contemporains que les non-citoyen_nes n’ont d’autre choix que
d’orienter leur lutte sur l’obtention du statut de citoyen_nes s’ils_elles souhaitent se départir
de leur condition marginalisée. Il leur faut donc rentrer dans la logique du système. D’une
manière ou d’une autre, le passage du statut de non-citoyen_ne à citoyen_ne ou à tout autre
statut sécurisé favorise de manière intrinsèque l’apparition d’une catégorie de citoyen_nes
de seconde classe. Fondamentalement, nos efforts doivent se concentrer sur la construction
d’une société qui n’a pas besoin de cette opposition. La mise en place d’une telle société
requiert la création d’une alternative2.
2. Le racisme est-il à l’origine de la discrimination systématique des
demandeur_euses d’asile ?
Les individus, groupes et communautés qui se battent pour améliorer la condition des
demandeur_euses d’asile considèrent souvent leur lutte comme une lutte contre le racisme.
Le point de vue et le discours partagés par nombre de militant_es qui ont participé à
la mobilisation des onze derniers mois illustre clairement cet aspect. Ces individus et
ces groupes (dont certain_es s’engagent depuis longtemps dans la défense des droits
des réfugié_es et dans la lutte contre le racisme) estiment que les réglementations
gouvernementales concernant les vies des réfugié_es constituent des vestiges culturels de la
colonisation blanche et européenne ou du régime fasciste. Cependant, nous nous trouvons
dans une époque où la crise économique persistante et l’augmentation du potentiel de
radicalisation de la classe ouvrière vont de pair avec l’apparition de nouvelles formes de
racisme. La montée des opinions et des comportements néo-fascistes est attisée par l’aile
droite populiste du gouvernement qui tente de masquer les véritables raisons de la crise
en attaquant les personnes considérées comme « étrangères » et/ou de gauche. Ce faisant,
elle empêche la formation d’une alternative radicale. En principe, dans une telle situation,
tout effort en vue de lutter contre le racisme devrait être soutenu. Cependant, l’idée selon
laquelle la lutte des demandeur_euses d’asile est par nature une lutte anti-raciste ne peut être
validée. Dans les paragraphes suivants, j’exposerai les motifs de cette affirmation et répondrai
à la question de savoir pourquoi les luttes des demandeur_euses d’asile ne constituent pas
uniquement un projet anti-raciste.
2.1 Des luttes convergentes mais non identiques
La discrimination et l’oppression racistes représentent des formes d’oppression sociale qui
sont aussi vieilles que les sociétés humaines elles-mêmes et sont apparues sous des formes
variées dans différentes ères culturelles et politiques. Il convient par exemple de replacer
l’attitude des Iranien_nes faces aux Arabes et aux Afghan_es dans son contexte géopolitique
spécifique. Il en va de même de l’idée de la supériorité des Européen_nes blanc_hes par
rapport aux personnes racisées. Sans aucun doute, le racisme en tant que phénomène durable
2
La création d’une alternative n’est pas aussi improbable qu’il ne semble. Le mouvement zapatiste au
Mexique constitue par exemple une telle alternative : en janvier 1994, l’Armée zapatiste de libération nationale
(EZLN) a pris le contrôle de la province du Chiapas et après de nombreuses années de lutte en faveur de l’égalité
des droits pour les communautés marginalisées du Mexique, elle a établi le projet de « bon gouvernement » au
Chiapas et créé ainsi une société dépassant l’opposition « citoyen_ne/non-citoyen_ne », dans laquelle les
anciennes populations marginalisées peuvent participer à toutes les sphères de l’économie, de la politique et de
la culture et où les conseils du « bon gouvernement » (Juntas de Buen Gobierno) et l’EZLN qui garde les
frontières du Chiapas satisfont à la volonté collective populaire.
et coriace peut traverser le temps et l’espace. Cependant, lorsque nous parlons du racisme
dans les sociétés modernes, notre attention doit se concentrer sur les aspects systématiques
de la discrimination raciste qui sont produits et reproduits par ceux/celles qui détiennent le
pouvoir dans la société. Ces aspects fournissent le contexte social et politique qui renforce et
cultive l’apparition de tendances culturelles régressives et racistes. La « domination blanche »
en tant que phénomène culturel est par exemple étroitement liée à « l’eurocentrisme »
politique. S’appuyant manifestement sur la domination culturelle européenne à travers
l’histoire, les pays européens donnent la priorité à leurs intérêts et à leurs droits dans leurs
relations avec d’autres pays, ce qui explique l’influence persistante du (post)colonialisme.
Telle est la procédure que l’on peut observer lorsque les gouvernements des métropoles
occidentales communiquent avec d’autres « nations ». On peut constater l’existence ici
de normes fondées sur le pragmatisme politique et qui ont « l’intérêt national » comme
objectif ultime. En d’autres termes, le fait que les interactions et les processus politiques et
économiques majeurs reposent sur la domination et l’inégalité affecte la sphère culturelle et
entraîne l’apparition de tendances racistes dans la société.
Le fait que l’accent soit porté ici sur les formes structurelles et systématiques de
discrimination raciste en Europe et dans d’autres sociétés métropolitaines ne signifie
cependant pas que les formes culturelles de racisme jouent un rôle moins important dans la
société, ni même parmi les personnes racisées. De ce fait, ces deux formes de discrimination
se renforcent mutuellement, la forme structurelle jouant un rôle prépondérant. D’une manière
ou d’une autre, ces processus ont pour résultat le fait que ceux_celles qui sont considéré_es
comme « étranger_ères » et les personnes racisées uniquement sur la base de leur origine
différente et de leur apparence « inhabituelle » sont rangé_es dans la catégorie des « pas
d’ici ». En dépit des mesures sociales et légales et de l’affirmation de la tolérance et du
multiculturalisme, cette catégorie s’auto-confirme et révèle la différence existante entre
ceux_celles qui sont considéré_es comme « étranger_ères » et les « personnes de souche », en
particulier lors des périodes difficiles comme par exemple en cas de crise économique.
Le phénomène du « pas d’ici » se manifeste de nombreuses manières : la deuxième
et la troisième génération d’immigré_es, les étudiant_es et les employé_es des pays
de la périphérie, les demandeur_euses d’asile et ceux_celles qui ont obtenu l’asile,
les travailleur_euses illégalisé_es et les sans-papiers. En règle générale, porter un
nom « inhabituel », qui n’est « pas d’ici » suffit pour avoir des difficultés à trouver un
emploi ou un logement. C’est pourquoi toutes les personnes affectées par cette forme de
discrimination devraient participer à la lutte contre la discrimination raciste systématique en
Europe. Manifestement, les demandeur_euses d’asile (non-citoyen_nes), en tant que membres
de ceux_celles qui « ne sont pas d’ici » et cibles de discriminations, d’attaques racistes et
d’actions néo-fascistes devraient également prendre part à une telle lutte, sans que cela ne
signifie pour autant que leur projet doit se limiter à lutter contre le racisme (en tenant compte
du fait que les demandeur_euses d’asile sont plus susceptibles d’être la cible des lois racistes
et discriminatoires en raison de la situation d’insécurité et d’instabilité liée à leur statut de
non-citoyen_nes). Les non-citoyen_nes tout comme d’autres « pas d’ici » peuvent participer
aux mouvements anti-racistes et améliorer leur propre subjectivité dans la lutte, mais il nous
faut garder en tête que ni la réussite ni l’échec de la lutte contre le racisme n’influencera
nécessairement l’équilibre de la balance entre « citoyen_nes » et « non-citoyen_nes ».
2.2 Les lois reposent sur le capitalisme et non sur la discrimination raciste
La plupart des militant_es impliqué_es dans les problématiques touchant les
demandeur_euses d’asile estiment que les législations régissant la vie des demandeur_euses
d’asile, telles que par exemple la « Lagerpflicht » (l’obligation de résider dans un camp),
la « Residenzpflicht » (l’obligation de vivre sur un territoire donné) et les expulsions, reposent
toutes sur la discrimination raciste. C’est ce point de vue qui a fait des militant_es antifascistes
et anti-racistes les principaux allié_es du mouvement des demandeur_euses d’asile. Nous nous
demandons toutefois s’il est correct d’analyser de la sorte l’origine des législations concernant
les demandeur_euses d’asile et également quelle est la base théorique du lien entre les luttes
des demandeur_euses d’asile et les initiatives anti-racistes.
Les législations qui concernent la vie des demandeur_euses d’asile telle que la « Lagerpflicht »,
la « Residenzpflicht » et les expulsions sont des lois qui ne s’appliquent qu’à un groupe de
personnes dans la société et qui, de ce fait, sont discriminatoires. Cependant, le fait de prendre
un groupe de personnes comme cible et de l’isoler ne repose pas nécessairement sur une
intention raciste. En réalité, les demandeur_euses d’asile (non-citoyen_nes) ne représentent
pas l’ensemble des personnes « pas d’ici » décrites plus haut. Ils_elles sont ceux_celles
auxquelles le gouvernement attribue l’étiquette de « demandeur_euses d’asile » et qu’il
stigmatise en tant que tel_les. Un examen attentif de ces lois montre qu’elles ne sont pas par
nature en lien avec la discrimination raciste3.
Une comparaison permettra sans doute de clarifier cette pensée : toutes les lois
discriminatoires mentionnées précédemment s’appliquent à des demandeur_euses d’asile
venu·es d’Éthiopie, de Somalie, du Soudan, d’Irak, d’Équateur, du Kurdistan, d’Iran, du
Pérou, etc., mais elles ne s’appliquent pas par exemple aux demandeur_euses d’asile qui
ont effectivement obtenu l’asile, aux étudiant_es étranger_ères et aux immigré·es de la
troisième génération qui, pourtant, sont tou_tes classé_es dans la catégorie « pas d’ici » et
sont la cible de discriminations racistes. La différence principale entre ces groupes repose
sur l’opposition « citoyen_ne » / « non-citoyen_ne ». L’application de ces législations ne
dépend pas du statut racisé ou de la nationalité d’une personne, mais de son appartenance à la
catégorie des « non-citoyen_nes ». En effet, toute personne qui se trouve dans cette catégorie
est automatiquement concernée par ces lois.
En dépit de la nature discriminatoire de ces lois, elles ont avant tout pour fonction de
maintenir les demandeur_euses d’asile dans l’expectative et dans l’insécurité, un mécanisme
qui a ses propres motivations et ses propres fonctions économiques et politiques. Malgré
cela, la plupart des efforts des groupes militants se concentrent sur le caractère raciste de
la législation, ce qui d’une certaine manière est malheureux puisque cela implique que le
système en place réussit à dissimuler ces mécanismes vitaux sous une couverture mystique
et à prédéfinir de la sorte les aires d’activités de ses opposant_es. De fait, en mettant l’accent
sur les aspects culturels du racisme et même sur la reconnaissance des initiatives anti-
racistes, le système tente de brouiller les pistes concernant son action véritable. Or, les lois
et les attitudes discriminatoires qui ciblent ceux_celles considéré_es comme « pas d’ici »
et le processus global de création « des autres » constituent des fonctions inévitables du
capitalisme. C’est pourquoi le racisme ne peut être la clé permettant de comprendre cette
problématique et de la traiter.
3. Un changement de législation est possible, mais c’est un objectif à court
3
À n’en pas douter, nombre de lois concernant les réfugié_es ont du point de vue historique des origines
racistes. La « Residenzpflicht » par exemple date d’environ 120 années. Elle a été décrétée par des Allemands
blancs au « Deutsch Togoland » (l’actuel Togo) afin de distinguer les Allemand_es des « autochtones ». De
manière honteuse, la même loi portant le même nom est appliquée aux réfugié_es en Allemagne. Mais si l’on
examine cette loi de près, l’on constate qu’elle dépasse la seule opposition noir/blanc puisqu’elle s’applique dans
sa forme actuelle également à des réfugié_es européen_nes, originaires par exemple de Serbie.
terme et insuffisant
La plupart des efforts des militant_es se concentrent sur la modification des lois concernant
les réfugié_es. Cette tendance a également été représentée dans le mouvement des
demandeur_euses d’asile au cours des onze derniers mois (la majorité des efforts des
militant_es ont consisté à soutenir les demandeur_euses d’asile se trouvant dans une
situation d’urgence et ayant besoin d’une aide immédiate). Malgré la valeur et l’importance
de ces efforts, en termes de perspective politique (allant au-delà d’une aide utile et de type
humanitaire), tout changement qui n’entraîne pas une rupture de l’opposition « citoyen_ne »
/ « non-citoyen_ne » ne constitue pas une perspective radicale pour le mouvement des
demandeur_euses d’asile et ne peut au mieux qu’entraîner le transfert des inégalités des
anciens textes de loi aux nouveaux. Bien sûr, parmi tous les efforts fournis, la lutte contre
les lois sur les expulsions a une importance cruciale puisque la fin des expulsions entraînera
l’abolition du concept de « non-citoyen_ne ». En d’autres termes, la défense du droit de
rester (« Bleiberecht ») doit avoir la priorité dans l’orientation des luttes du mouvement des
demandeur_euses d’asile.
Résumé et conclusions :
Ce texte repose sur mon analyse de la condition des demandeur_euses d’asile, de leurs luttes
et de la manière dont le système réagit face à eux_elles. Cette analyse est le fruit d’onze
mois d’engagement dans les protestations des demandeur_euses d’asile en Allemagne, de la
participation à de nombreuses heures de discussions et de prises de décision collectives et
de la confrontation à des défis théoriques et pratiques ainsi que des conseils et suggestions
reçues de la part de personnes impliquées dans le mouvement et extérieures à celui-ci. En
conséquence de l’analyse exposée dans ce texte, la première conclusion qui s’impose est que
les groupes et les militant_es anti-racistes et antifascistes doivent repenser et peut-être même
revoir le concept d’anti-racisme et doivent également revoir en conséquence leur interaction
avec les problématiques des demandeur_euses d’asile. De plus, les demandeur_euses d’asile
indépendant_es doivent également revoir et redéfinir leur propre position dans la sphère
politique de la société.
Le maintien de l’opposition « citoyen·ne » / « non-citoyen·ne » et l’expulsion dans le pays
d’origine (ou vers un « pays tiers » – Dublin II) sont les problèmes majeurs auxquels sont
confronté_es les demandeur_euses d’asile et les sans-papiers (non-citoyen_nes) en Europe.
Tout progrès en lien avec l’une de ces deux problématiques peut entraîner un véritable
changement dans la vie sociale de ces groupes marginalisés. C’est pourquoi l’auto-
organisation des demandeur_euses d’asile et des sans-papiers afin de mettre un terme aux
expulsions et d’obtenir la citoyenneté (fusse-t-elle de « deuxième classe ») peut constituer
l’axe principal autour duquel la lutte peut évoluer vers une perspective radicale. Les
principaux acteur_trices de cette lutte sont les « non-citoyen_nes », ceux_celles qui n’ont pas
accès à la citoyenneté dans des sociétés basées sur ce concept même, à savoir les
demandeur_euses d’asile, les sans-papiers et les travailleur_euses illégalisé_es. Les
préparations en vue d’une telle auto-organisation sont plutôt difficiles en raison de la
diversité des langues parlées dans les camps de réfugié_es, des différentes positions
géographiques des camps, de l’insécurité et de la faiblesse ressenties par les
demandeur_euses d’asile en raison de leur condition incertaine qui les enferment dans
l’expectative, du manque de maîtrise de la langue du pays de destination et de la nécessité
d’un soutien financier, logistique et médiatique. En conséquence, le soutien et la coopération
de groupes et d’individus militants qui souhaitent contribuer à résoudre les problèmes qui se
posent aux demandeur_euses d’asile sont également nécessaires. Toutefois, ces citoyen_nes
doivent respecter la capacité d’action des non-citoyen_nes et le principe de l’auto-
organisation. Dans ce contexte, toute initiative contre l’opposition « citoyen_ne » / « non-
citoyen_ne » contribuera aux luttes contre les processus capitalistes d’aliénation et de
discrimination. Ce mouvement rendra aux non-citoyen_nes leur capacité d’action et sera
également un lieu de convergence des luttes des non-citoyen_nes et des groupes de
citoyen_nes les soutenant afin de se battre ensemble contre le système.

